Das schwarze Schaf

Schwarze Schafe sind bei den Schäfern nicht sonderlich beliebt, denn weiße Wolle lässt sich besser verarbeiten und färben.

Genauso verhält es sich in Gesellschaft und Familie. Die schwarzen Schafe sind anders und fügen sich nicht in unsere Gesellschaft ein. Sie widersprechen den Regeln und bieten eine Menge Stoff durch ihre Andersartigkeit. Damit meine ich nicht unbedingt die äußere Erscheinung, sondern eher Denk- und Handlungsweisen.

Doch nimmt das sogenannte schwarze Schaf auch eine unglaublich wichtige Funktion in Familie und Gesellschaft ein. An dem schwarzen Schaf kann man sich abarbeiten. Man braucht sich nicht mehr mit sich selbst zu beschäftigen. So fällt das Leben doch wesentlich leichter. Jedes Mal, wenn wir mit dem Finger auf andere zeigen, werden wir selbst ein bisschen größer. So können wir gut von uns ablenken und rücken in ein vermeintlich besseres Licht.

Es ist so unglaublich einfach, den Finger auf andere zu richten und sie zu verurteilen. Das hat allerdings nichts mit innerem Wachstum zu tun und basiert auf Vorurteilen und oft auch Unwahrheiten. Für den Moment hilft es aber ungemein und alle fühlen sich gut. Alle, bis auf das schwarze Schaf.

Wenn wir maßlos über andere urteilen, sollten wir besser vorher genau hinterfragen und uns nicht vorschnell in Urteilen verlieren.

Jeder Mensch hat eigene, natürlich subjektive Ansichten. Jeder Mensch hat eigene Erfahrungen gesammelt. Warum ist es in unserer heutigen Gesellschaft so wichtig sich anzupassen? Warum können wir nur gleiche Meinungen akzeptieren? Warum werden Menschen, die anders fühlen so schnell ausgegrenzt?

Eine Herde voller weißer Schafe, die alle in die gleiche Richtung laufen, das gleiche Gras fressen, am gleichen Tag geschoren werden und im gleichen Alter dem Schlachter vorgeführt werden.

So eine Herde lässt sich leicht führen und beeinflussen. Die Politik und Werbetreibenden haben es verstanden…wunderbar!

Doch kann eine Gesellschaft so wachsen? Sind es nicht immer die „Anderen“, die, die aus der Reihe tanzen, die zu neuen Erkenntnissen führen?

Die Gesellschaft würde ein unheimlich tristes und langweiliges Leben führen, wenn es die schwarzen Schafe nicht gäbe. Oftmals sind sie Vorreiter und können neue Denkanstöße geben.

Bei einigen dauert es länger, denn was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Selbst, wenn wir vieles nicht verstehen, könnten wir zumindest akzeptieren. Schließlich weiß niemand, was wirklich richtig oder falsch ist.

Manchmal bekommt das schwarze Schaf auch Zuspruch. Unter vier Augen wähnt es sich dann bestärkt und erstmal in Sicherheit. Doch in der Masse der weißen Schafe ist das Gesagte schnell vergessen. Dann verlässt uns der Mut und wir stehen nicht mehr dazu. Wir wollen um keinen Preis auffallen und zugeben, dass wir eigentlich anders denken. Denn dann könnte es passieren, dass wir selbst für einen kurzen Moment die Rolle des schwarzen Schafes einnehmen.

Allerdings würden wir uns damit einen Gefallen tun, wenn wir zu dem stehen, was wir denken. So belügen wir uns zumindest nicht selbst. Doch dazu gehört eine große Portion Selbstbewusstsein.

Herzlichst

Marion Lindhof

Mit www.wort-power.de auf den Punkt gebracht!