Wir sind nur Gast auf dieser Erde

Warum benehmen wir uns oft so schlecht? Verpackungen werden achtlos aus dem Auto geworfen, Sperrmüll im Wald entsorgt, Plastiktüten zum Einkaufen benutzt, Fleisch, Milchprodukte und Eier beim Discounter gekauft und Zigarettenkippen dort entsorgt, wo man gerade geht und steht.

In einem katholischen Beerdigungslied heißt es: „Wir sind nur Gast auf dieser Erde“.

Nicht falsch verstehen, ich gehöre keiner Religionsgemeinschaft an und bin auch kein Kirchgänger. Trotzdem fasziniert mich dieser Satz, denn er regt zum Nachdenken an.

Wenn wir bei Freunden zu Besuch sind, zum Kaffee oder Bierchen eingeladen, benehmen wir uns, denn wir sind deren Gäste. Wir ziehen unsere Schuhe aus, bevor wir eintreten, setzen uns artig und hinterlassen keine Müllberge. Sollte uns ein Missgeschick passieren und etwas zerbrochen werden oder kaputtgehen, ersetzen wir den Schaden selbstverständlich. Wir hinterlassen einen sauberen Sitzplatz und bedanken uns für Speisen und Getränke.

Doch warum zeigen wir nicht die gleiche Dankbarkeit der Natur gegenüber. Unsere Erde – unsere Welt – bietet uns Schutz und viel Raum. Sie ernährt uns und spendet Sonne, Wärme, Wasser und Schatten. Sie gibt uns die Luft zum Atmen. Wir könnten ohne sie nicht existieren. Und doch treten wir sie mit Füßen. Wir nehmen alles selbstverständlich. Wir haben reichlich frisches Wasser, sind immer satt und klagen auf sehr hohem Niveau. Doch achten wir unsere Erde? Sind wir dankbar für all die Gaben?

Wie viele Menschen kaufen mehrmals in der Woche beim Discounter Fleisch? Machen sie sich auch nur einen Moment Gedanken über schreckliche Zustände in der Massentierhaltung? Machen sie sich Sorgen um CO2 Werte? Das Einzige, was zählt, ist der Preis. Geiz ist geil und billig eingekauft verleitet zu Massenkonsum und in diesem Fall Fettleibigkeit.

Die Ausbeutung der Tiere geschieht hinter hohen Mauern und ist oft nicht auf Anhieb zu erkennen. Sonst würde wohl auch dem ein oder anderen der Appetit auf Fleisch, Milch und Eier vergehen. Die süße Bärchenwurst, kreisrund mit dem hübschen Gesichtchen, hat einmal gelebt. Sie wurde gequält und misshandelt. In Deutschland werden pro Tag rund 160.000 Schweine getötet und 1,7 Millionen Hühnern in Schlachthöfen die Kehle durchtrennt.

Gülle ist nachweislich schädlich für Tier- und Pflanzenarten, Wasser und Luft. Wissen Sie, wieviel Gülle tagtäglich produziert wird?

Die Fleischproduktion beinhaltet eine sehr ineffiziente Nutzung der Landflächen. Wir verfüttern Nahrungsmittel an Tiere, um diese zu schlachten und Fleisch herzustellen. Würden die Menschen diese Pflanzen selbst verzehren, wären wir in der Welthungerhilfe schon ein ganzes Stück weiter.

Wie sieht es mit dem Bienensterben aus? Wir werden ohne Bienen nicht überleben. Die größte Bedrohung ist der Einsatz von Insektenvernichtungsmitteln in der Landwirtschaft. Sie werden millionenfach auf Felder von Nutzpflanzen gesprüht. Es heißt, sie werden zum Schutz von Saatgut vor Pilz- und Insektenbefall eingesetzt.

Wir vernichten uns langsam und stetig und sind uns selbst der größte Feind. Jeden Tag atmen, trinken und essen wir selbstkomponierte Gifte.

Doch sind wir nicht auch lediglich Gast in unserem Körper? Unser wunderschöner Körper wurde uns zur Verfügung gestellt. Wir rauchen, trinken Alkohol in großen Mengen, vergiften uns mit Drogen, ernähren uns falsch und treiben zu wenig Sport. Wir achten unseren Körper nicht und sind auch keineswegs dankbar für diese schöne Hülle. Auch das ist eine Selbstverständlichkeit. Falten werde weggespritzt, Fett abgesaugt, die Haut im Solarium geröstet und Wundermittel sollen helfen, die Schönheit zu erhalten.

Wir sind unbelehrbar und dabei könnte doch alles so einfach sein. Liebe, Minimalismus, Achtsamkeit und Dankbarkeit sind die Schlüsselwörter, die unsere Welt ein großes Stück besser, gesünder und lebenswerter machen würde.

Wir alle können dazu beitragen, dass unsere Umwelt und die Natur gesundet. Wir alle können etwas gegen den Klimawandel tun und gegen den Hunger und das Elend in der Welt. Tierschutz fängt im Kleinen an und endet nicht im Discounter.

Wenn wir damit beginnen, unseren eigenen Körper zu achten, haben wir schon ein großes Stück für die Umwelt und unsere Nachkommen geleistet.

Marion Lindhof