Pilgern für Warmduscher

Mein Traum vom Pilgern, von unberührter, wunderschöner Natur, frischer und klarer Luft, Sonne, Stille und traumhaften Begegnungen währt schon sehr lange.

Pilgern in der Heide

Allerdings bin ich kein Camper und habe das letzte Mal auf einer Luftmatratze gelegen, als ich ungefähr 20 Jahre alt war. Es hört sich blöd an, jedoch benötige ich ein gewisses Maß an Luxus und könnte mich nur schwer daran gewöhnen, ohne Morgendusche loszuziehen oder in die freie Plene zu knattern. Ich habe weder Lust, mir Blasen zu laufen, noch total geschwächt an irgendeinem überfüllten Pilgerort mit vielen anderen Menschen anzukommen.

Also entschied ich mich für Pilgern ohne Gepäck. Ein tolles Arrangement, ganz nach meinem Geschmack. Jeden Tag ungefähr 20 Kilometer ganz entspannt laufen, die Natur genießen und zwischendurch Pausen in netten Cafés oder auf einer Bank mit selbstgemachten Schnitten. Die Übernachtungen sind organisiert und reserviert in Pensionen mit Frühstück. 

Seit letztem Jahr fahre ich mit meiner Freundin in die Heide, nur für ein Wochenende. Anreise jeweils freitags und gepilgert wird samstags und sonntags.

der Weg

Der Heidschnuckenweg ist beeindruckend und bietet sehr abwechslungsreiche Kulissen. Die Heidelandschaft ist einfach wunderschön und lässt mich schon nach den ersten Schritten den Alltag vergessen. Selbstverständlich sind unsere Hunde mit von der Partie und genießen das freie Leben.

wunderschöne Heide-Landschaft

Dieses Mal hatten wir sogar das große Glück, einem Schäfer mit seiner Herde zu begegnen.

mitten in der Schafherde

Die Pilgertouren bieten Raum für Gespräche und Ruhe, für Besinnung und die Beantwortung vieler Fragen. Die Sehnsucht nach Langsamkeit und Zeit wird erfüllt und die Hektik und Reizüberflutung des Alltags nimmt sehr schnell einen großen Abstand ein. Es ist ein einfaches Leben, ohne Sorgen und Nöte. Schritt für Schritt den Gedanken freien Lauf lassen oder einfach nur den Moment genießen. Im Hier und Jetzt ankommen und sich einlassen auf das große Wunder. Der Zauber der Landschaft nimmt nach jeder Wegbiegung zu. Begegnungen sind stets gelassen und heiter und man kommt sehr schnell ins Gespräch.

Rast

Pilgern dient wohl vornehmlich der Sinnfindung und der großen Frage des Lebens. Antworten habe ich darauf noch nicht bekommen. Wahrscheinlich ist ein Wochenende auch definitiv zu kurz. Ich bin einfach glücklich, wenn ich einen Tapetenwechsel habe und mich voll und ganz auf mich selbst und meine Schritte konzentrieren kann. Im letzten Jahr habe ich mir in einem kleinen Schäferlädchen ein Schild gekauft, dass nun mein Wohnzimmerregal ziert: „Ich bin der Weg“. Genauso ist es. Ich habe mich aufgemacht. Ob ich jemals ankommen werde, ist unerheblich.

Heide Haus

Vielleicht werde ich im nächsten Jahr verlängern auf ein bis zwei Wochen Pilgern am Stück. Vielleicht werde ich mein Gepäck auch selbst schleppen. Ich müsste mich auf das Wesentliche beschränken. Minimalismus bietet dem Bewusstsein mehr Raum.

Cafè oder Wein?

Ich freue mich jetzt schon und bin gespannt, welche Erlebnisse auf uns warten.

 

Marion Lindhof

 

PS: Vielen Dank an meine Freundin Marion für die lustige und super-nette Begleitung! :)