Nichts ist so gewiss wie der Morgen-Schiss

Die Erleichterung am Morgen ist den meisten Menschen gewiss. Manche brauchen Kaffee und Zigarette, die anderen schwören auf ein Glas lauwarmes Wasser oder Trockenobst.

Der Tag kann beginnen, der Druck ist gelöst und wir fühlen uns leicht und beschwingt.

Finden Sie das Thema peinlich? Nicht wirklich, oder? Schließlich geht es um den natürlichsten Vorgang der Welt. Alle Menschen tun das. Es gäbe sehr viel darüber zu berichten und ich könnte über Konsistenz und Farbe predigen. Doch das führt zu weit. Genau wie eine umfassende Beschreibung des Geruchs. Nein, das will ich nicht.

Unterwegs fällt es schwer, Ruhe und ein einsames Örtchen zu finden. Die Sauberkeit von öffentlichen WCs lässt oft zu wünschen übrig. Wenn dann noch der nächste Toilettengast trippelnd vor der Klosett-Tür steht, verkneifen wir es uns. Das Ergebnis ist dann Völlegefühl und Bauchschmerzen. Was raus will, soll wohl nicht gebremst werden. Alles hat schließlich seinen Sinn.

Duftendes Detail

Ganze Bibliotheken wurden diesem Thema bereits gewidmet, von Apotheken-Heftchen ganz zu schweigen. Es geht um unseren Darm und die Verdauung der Speisen. Es geht um Gewohnheiten, Außergewöhnliches und Durchschlagendes. Ob wir uns wohlfühlen oder nicht, der Tag gut wird oder wir verstopft und übel gelaunt sind, hängt entscheidend von diesem morgendlichen Detail ab.

Völlegefühl und ein aufgeblähter Leib sind unangenehm. So möchte niemand in den Tag starten. Da hilft nur eins und das funktioniert, wenn wir den Dingen freien Lauf lassen. Der Morgenschiss ist gewiss und das ist gut so. Er befreit von Giftstoffen und unnötigem Ballast. Ein unglaubliches Gefühl danach, frei, leicht, wohlig und beschwingt – einfach wunderbar.

Peinlich?

Kennen Sie auch das Gefühl, wenn der Druck immens groß ist und Sie schon mit geöffneter Hose Richtung Toilette rennen? Sie können es kaum abwarten und es gibt nur noch ein Ziel. Wenn dann unser Partner gerade unter der Dusche steht oder sich die Zähne putzt, kann es übel werden.

Nichts ist schlimmer beim Kacken als Zeitdruck. Stress wirkt sich negativ aus. Wir brauchen Raum und vor allem Ruhe und Abgeschiedenheit. Niemand soll mitbekommen, was wir da gerade tun. Und was ist, wenn jemand direkt nach dem eigenen Mega-Schiss das Bad aufsucht? Noch peinlicher wird es, wenn wir bei Freunden zu Gast sind. Alles soll schnell und unauffällig geschehen und gelingen. Das große Geschäft kann aber auch ordentlich duften. Fenster öffnen ist gut, doch wenn kein Fenster da ist? Parfüm sprühen hilft nur teilweise. Sie können sich entweder den Tatsachen stellen oder es dem Vorgänger in die Schuhe schieben. Verlassen Sie einfach naserümpfend und kopfschüttelnd das Bad. Niemand wird auf die Idee kommen, dass Sie dafür verantwortlich waren.

Sorgen Sie dafür, dass vor dem Gang reichlich Toilettenpapier vorhanden ist. Nichts ist unangenehmer, als mit heruntergelassener Hose den Tatort verlassen zu müssen.

Angebracht ist es auch, dass Sie keine Spuren hinterlassen, sonst wird es für die Nachfolge-Sitzer unangenehm. Benutzen Sie die Klobürste und waschen sich vor allem die Hände. Hygiene ist alles.

Nur keine Scham

Sie fragen sich, warum ich über dieses Thema schreibe? Viele reden darüber und doch ist das ein Tabuthema. Ausdrücke wie „Scheiße“ oder „Kacke“ sagt man nicht und schon gar nicht benutzt man sie schriftlich. Das ist vulgär, unsittlich und verpönt. Alternative Ausdrücke sind „großes Geschäft“, „Stuhlgang“ oder „Darmausscheidung. Bei Kleinkindern sagt man „Aa machen“. Was für ein Blödsinn. Wir alle tun es und wir alle wissen, worum es geht, nämlich der Keramik zeigen, wer der Boss ist und einen Haufen machen, die Schüssel sprengen oder den Ruf der Natur hören.

Ich plädiere für eine freie Sprachwahl. Scham ist fehl am Platz, denn sonst vergiftet es den Körper und wer will das schon?

In diesem Sinne, ab in die Rinne!

Marion Lindhof