Auf besonderen Wunsch: Schule, lernen und Erfolg

Diesen Blog schreibe ich für meinen Sohn. Er schickte mir vor ein paar Tagen ein sehr inspirierendes Video und fragte, ob mich das Thema interessiert.

Schwimmer

Was würde passieren, wenn die besten Schwimmer der Welt einen Marathon laufen müssten? Wäre der Weltmeister im Gewichtheben wohl ebenfalls ein guter Balletttänzer? Was wäre, wenn ein Sprachtalent, sich ausschließlich mit der Lösung von Mathematikaufgaben beschäftigen müsste? Ist ein begnadeter Sänger wohl auch gleichzeitig ein Ass in Physik?

Balletttänzer

Diese Fragen sind leicht zu beantworten und wohl jedem klar. Doch warum müssen wir in der Schule das ganze breite Spektrum lernen? Warum müssen wir in allen Fächern gute Noten schreiben, um zu bestehen. Reicht es denn nicht, wenn wir gut in Deutsch sind und unsere Berufung darin sehen, alles zu Papier zu bringen, was uns bewegt. Wir könnten doch ein erfolgreicher Autor werden. Dazu sind Rechenaufgaben doch völlig irrelevant.

Ich kann es gut verstehen, dass Jugendliche diese Denkweise vertreten. Schließlich ging es mir einmal genauso und ich habe den Sinn darin nicht verstanden. Ich hasste Physik, Chemie und Geschichte. Wozu sollte das gut sein? Kunst mochte ich auch nicht, doch im Fach Musik stand mir die Welt offen. Deutsch, Biologie und Englisch fand ich ebenfalls toll. Hatten wir im Sportunterricht Leichtathletik war ich meistens krank und drückte mich auf der Reservebank herum. Ebenfalls hasste ich Handball, Hockey und Fußball. Turnen, Tanzen und Volleyball waren hingegen super und ich blühte auf.

Mathematik

Wozu also diese Qual? Warum ist das Bildungssystem nicht darauf ausgerichtet Spezialisten zu schulen?

Wenn wir etwas gern tun, sind wir logischerweise interessiert und es fällt uns leicht zu lernen. Andersherum wird es anstrengend und wir geben schnell auf.

Für die spätere Berufswahl ist es bestimmt sinnvoll, sich auf etwas zu konzentrieren, was wir lieben. Dann wird der Beruf zur Berufung und wir haben viel Spaß und Freude, statt Frust und Verzweiflung. 

Auf den ersten Blick erscheint es verdammt ungerecht, wenn wir etwas lernen müssen, was uns nicht im Geringsten interessiert. Wir lernen auswendig, nur für diese eine Klausur, um danach sofort wieder alles zu vergessen.

Das Bildungssystem ist bis zur 10. Klasse breit aufgestellt. Danach gibt es bereits die Möglichkeit, sich zu spezialisieren oder sich zumindest für bestimmte Richtungen zu entscheiden. 

Ich denke, dass es wichtig ist, zunächst eine große Bandbreite an Fächern anzubieten. So wird uns die Chance gegeben, in verschiedene Themen hinein zu schnuppern. Nur so können wir feststellen, ob uns etwas Spaß macht oder nicht.

Schule

Neues zu lernen, fällt Schülern dann besonders leicht, wenn sie darin einen Sinn sehen. Bei einem Hobby lernen wir mühelos in kurzer Zeit viel, ganz einfach, weil es Spaß macht. Doch auch in vermeintlich sinnlosen Lernaufgaben, kann viel Motivation stecken, wenn wir nur genau hinschauen. Lernt der Schüler zum Beispiel die englischen Vokabeln, kann er beim nächsten Auslandsurlaub viel leichter ins Gespräch kommen.

Damit Wissen in das Langzeitgedächtnis gerät, ist Spaß unbedingt notwendig. Stupides Auswendiglernen, ohne Sinn, Spaß und Interesse bringt gar nichts und ist sofort wieder vergessen. Fühlt sich jemand Wohl, funktioniert das Lernen besonders gut. Unter Druck oder Zwang können wir uns nur schwer etwas merken. Etwas Auswendiggelerntes bleibt also nur dann im Kopf, wenn unser Herz daran hängt.

Doch wie ist nun die Lage vieler Schüler zu lösen. Muss das Bildungssystem geändert werden?

Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht und habe auch keinen Lösungsvorschlag. Vielleicht einfach Augen zu und möglichst schnell durch, damit nach der Schule der Weg eingeschlagen werden kann, der auf jeden Fall zum gewünschten Erfolg wird.

Natürlich weiß ich, dass, wenn wir unserem Herzen und unserer Berufung folgen, das Bestmögliche dabei herauskommt und nur so der Weg ins Glück funktioniert.

Berufung

Doch was sage ich nun meinem Sohn?

„Konzentriere dich auf deine Stärken und lass alles andere Links liegen?“ oder „Weißt du denn genau, wo deine Stärken liegen?“

Natürlich möchte ich, dass er glücklich wird. Er muss seinen ganz eigenen Weg gehen und nicht meinen Wünschen folgen. Was ich mir für ihn wünsche, muss noch lange nicht gut für ihn sein. Lockerlassen und gehen lassen. Ganz tief in mir weiß ich, dass er alles richtigmachen wird.

Doch schaffe ich es nicht, ihm zu sagen, dass er nun für Mathematik überhaupt nichts mehr tun muss. Auch wenn es ihm keinen Spaß macht und der Sinn fraglich ist, muss er doch eine Mindestnote erreichen, um zum gewünschten Studium zugelassen zu werden. Ich schaffe es nicht, ihm einen Freifahrtsbrief zum Faulenzen auszustellen. Dafür bin ich dann doch zu sehr Mutter und kann die Muster nicht so schnell loslassen, die mich selbst geprägt haben.

Im Moment ist das eine gegebene Tatsache, an der sich leider nicht rütteln lässt.

Weg

„Also, mein lieber Sohn: Mach das Beste daraus und versuch so schnell wie möglich diese Dinge hinter Dir zu lassen.

Ich wünsche Dir alles Gute, viel Mut und die Freiheit, Dich für DEINEN WEG zu entscheiden. Du weißt am besten, was Dir gut tut. Du bist kreativ und schlau und wirst Deinen eigenen und besonderen Weg finden.

Ich bin glücklich, dass es Dich gibt!

Du hast mich schon oft auf interessante Themen hingewiesen und meinen Horizont erweitert und dafür danke ich Dir.

Dein Weg

Vieles wiederholt sich über Generationen und oft erkenne ich mich selbst wieder in Deinen Aussagen.

Bewahre Dir die jugendliche Leichtigkeit und den Humor!

Sieh alles nicht so ernst und mache es Dir vor allem selber recht. GEH DEINEN WEG!"

In Liebe

Deine Mama