Einfach ICH

Diesen Text schrieb ich im letzten Jahr, September 2016 und fand ihn gerade wieder. Im letzten Vierteljahr ist viel passiert und ich bin schon ein ganzes Stück weitergekommen. Doch lesen Sie selbst:

Wer bin ich überhaupt?

Mir fällt es stets sehr schwer, diese Frage offen und ehrlich und vor allem spontan zu beantworten. In vollem Umfang weiß ich es tatsächlich nicht.

Dieser Text soll keine wissenschaftliche Abhandlung darstellen und auch nicht in die Psychologie einsteigen. Davon habe ich wirklich keine Ahnung. Einzig und allein meine ganz eigene Suche nach dem Ich lässt mich schreiben und ich hoffe, dadurch zu Lösungen zu gelangen, die mich die Welt, das Leben und vor allem mich selbst besser verstehen lassen. 

Am schlimmsten ist es für mich, wenn ich irgend etwas sage und das eigentlich gar nicht so meine. Ich weiß nicht genau, was mich manchmal zu Aussagen treibt, die ich gleich darauf schon wieder bereue. Manchmal ist es bestimmt aufgestaute Energie in Form von Verletztheit und Wut. Oft habe ich mich selbst nicht beachtet und "Ja" zu anderen gesagt, obwohl ich gar keine Zeit oder Lust hatte.

Marion Lindhof 

 

Ich bin schon sehr lange auf der Suche

Sehr lange Zeit bin ich schon auf der Suche nach meinem eigenen ICH. Am Sinnvollsten erscheint es mir in meiner Vergangenheit zu wühlen. Was habe ich schon geleistet? Was ist mir gelungen und wo bin ich gescheitert? Was konnte ich schon immer besonders gut und in welchen Fällen musste ich lange Zeit üben? Was hat mir Spaß gemacht und welche Tätigkeiten waren schon immer ein Horror für mich? Mit welchen Menschen gebe ich mich am liebsten ab? Welche Jobs hatte ich und wo liegen meine Interessen in der Freizeit? Welche Bücher fesseln mich und bei welchen Filmen breche ich in Tränen aus? In welchen Bereichen kenne ich mich aus und wo liegen meine Unsicherheiten? Ruhe ich in mir oder lasse ich mich von anderen oft beeinflussen? Welche Menschen inspirieren mich und gibt es Menschen, mit denen ich nie und nimmer tauschen möchte? Gibt es Persönlichkeiten an denen ich hinaufschaue und vor denen ich so einen Respekt habe, dass ich alles sofort als richtig und gut annehme, was sie sagen? Gibt es Menschen, denen ich blind vertraue und von welchen Menschen wurde ich zutiefst enttäuscht? Suche ich immer und überall nach Anerkennung? Sage ich zu allem ja oder achte ich auf mich selbst? Wie ist meine Eigenwahrnehmung und wie beurteilen mich die anderen? Wie wirke ich auf Andere?

 

Fragen über Fragen, denen ich jetzt und heute versuche auf den Grund zu gehen. 

Am einfachsten erscheint es mir, wenn ich mit meinem Äußeren anfange. Das sehe ich zuerst im Spiegel und das ist es wohl, was andere als den ersten Eindruck bezeichnen. 

Texte Biographie

Natürlich hat sich mein Äußeres im Laufe der Zeit stark verändert. Vom Baby zum Kind und Jugendlichen. In der Erwachsenenzeit kamen immer mehr Falten dazu. Welche Kleidung bevorzuge ich und zu welchen Farben und Stoffen fühle ich mich immer wieder hingezogen? Was bedeutet es wohl, wenn ich am liebsten schwarz trage? Mache ich das lediglich, weil ich denke, dass schwarz meine Speckröllchen am besten kaschiert oder zeugt das von einem traurigen Charakter? 

Die grundlegenden Gesichtszüge bleiben bestimmt ein Leben lang erhalten und deshalb werde ich von Personen wiedererkannt, die mich jahrelang nicht gesehen haben. Zeigen sich in meinem Gesicht eher Sorgen- oder Lachfalten? Wenn ich mich genau im Spiegel betrachte, sind es die Lachfalten, die überwiegen. Aber eine so genannte Denkerstirn ist ebenfalls zu sehen. Es ist also alles vorhanden, was mich ausmacht. Zum Glück überwiegt die Freude.

 

Habe ich in bestimmten Lebensphasen stark an Gewicht zugelegt und welche Lebensumstände haben mich wieder zurück zur Traumfigur gezaubert? 

In meinem Leben gab es viele Phasen und viele Umstrukturierungen. Als Kind zog ich mich gern kunterbunt an. Ob die Farben harmonierten, war mir egal, denn ich fühlte mich so wohl. Ich war stets ein lustiges Kind und liebte es, mich hüpfend fortzubewegen. Ich testete viel aus und fiel auch oft auf die Nase. Allerdings stand ich immer wieder schnell auf und erholte mich. Schon immer liebte ich es, mich in der Natur zu bewegen. Mein größtes Hobby war das Reiten und ich genoss die täglichen Ausritte, die Ruhe und die Bewegung im Einklang mit meinem Pferd. Großartige Landschaftsaussichten, morgendlicher Nebel, der nur von ein paar Sonnenstrahlen unterbrochen wurde oder die herrlichen Farben des Herbstes im Wald, sog ich in vollen Zügen in mich auf. Nach jedem Ritt fühlte ich mich vollkommen frei. Ich galoppierte und hatte das Gefühl, dass der Wind meinen Kopf frei von allen Sorgen, Ängsten und Problemen bläst.

Texte nach Maß

 

Was kann mir das nun über mein ICH sagen?

Auf jeden Fall halte ich mal fest, dass die Kleidung schon immer sehr individuell war und ich mich in den Klamotten wohl fühlte, die einzig und allein mir gefielen. Ich musste nicht der Mode folgen, obwohl ich mir schon gern mal das ein oder andere Teil neu kaufte und immer noch kaufe. Ich habe meinen eigenen Stil und kann auch nicht behaupten, dass ich eine Lieblingsfarbe habe. Wichtig ist mir die Bequemlichkeit und der Wohlfühlfaktor. Ich hasse Kleiderordnungen und kann mich nur sehr schwer damit abfinden. Veranstaltungen derart versuche ich heute zu meiden. Das ist doch schon mal ein Anhaltspunkt: ich lasse mich also nicht in Standards pressen und bleibe mir selbst in Bezug auf Kleidung treu, egal, was andere dazu sagen.

Als zweites kann ich folgern, dass ich mich schon immer gern in der Natur aufgehalten habe. Ich liebe die Stille und große Massenveranstaltungen sind mir ein Gräuel. Ich war bisher noch nie auf einem großen Konzert. Eingezwängt zwischen vielen Menschen ist Horror. Ich gehe gern aus und bevorzuge kleine gemütliche Lokale. Ich liebe es, mich über Gott und die Welt zu unterhalten und lasse mich inspirieren. Das Äußere der Menschen ist mir total egal. Ab und zu kommt es doch einmal vor, dass der ein oder andere meinem Ideal von Schönheit so ganz und gar nicht entspricht. Dieses kann sich im Gespräch ganz schnell ändern. Gefällt mir die Persönlichkeit, sehe ich plötzlich das Äußere gar nicht mehr.

Schlussfolgerung: Ich lege keinen Wert auf Äußerlichkeiten, bin also nicht oberflächlich.

Oft ist es auch mehr Schein als Sein, was Anderen auf den ersten Blick Bewunderung einbringt. Ich schaue gern genau hin und interessiere mich für die Geschichten der Menschen. Das kann äußerst interessant sein und so kann der Penner von der nächsten Straßenecke sich als früherer Professor für Mathematik entpuppen. Natürlich kann ich mich von Vorurteilen auch nicht ganz freimachen. Doch ich versuche zunächst hinter die Fassade zu schauen und mir dann mein Urteil zu bilden. 

Das Äußere wäre ja jetzt geklärt und ich erkenne, dass ich unabhängig und frei bin. Das gefällt mir und genauso möchte ich auch sein. Doch wie kommt es wohl dazu, dass ich Menschenansammlungen generell meide? Tage in Städten machen mich müde und schlapp. Ich fühle mich danach wie ausgelaugt. Große Feiern mag ich ebenfalls nicht und versuche mich immer irgendwie zu drücken. Ich mag keine Tagungen oder Meetings in Firmen, wo alle dicht gedrängt beieinander sitzen. All das bereitet mir Unbehagen. Bisher dachte ich immer, dass es an mir liegt oder besser gesagt, dass ich auf dieser Linie einen großen Fehler habe. Ein Manko, was ich überspielen muss oder wo ich einfach durch muss. Nein! Wenn ich ehrlich bin, mag ich diese Energie-Ansammlungen einfach nicht. Mir ist das zuviel. Und ich muss gar nichts und schon gar nicht "Augen zu und durch".

Aus welchem Grund sollte ich so gegen mein Innerstes handeln?

Ich habe stets die freie Wahl und wenn ich die Stille bevorzuge und gern in der Natur für mich allein bin, dann ist das eine Charaktereigenschaft von mir, die ich anerkennen sollte und nicht dagegen ankämpfen.

Natur

Ich habe schon immer ländlich gewohnt und wollte auch nie etwas Anderes. Ich bin zufrieden, wenn ich mit meinen Hunden durch die Wälder streifen kann. Das macht mich glücklicher als jeder Urlaub. Flughäfen sind mir zuwider und ich fühle mich dort krank und schlecht. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich dort den Pfeilen folgen muss. Ich bin in diesen öffentlichen Einrichtungen fremdbestimmt und kann mich nur dort aufhalten, wo es gerade erlaubt ist. Bei einer Zwischenlandung kann ich nicht einfach auschecken und das Flughafengelände verlassen. Erstmal aus Zeitgründen und der Aufwand wäre auch recht groß. Ich sitze also im Wartebereich, zusammen mit vielen anderen Menschen, ohne frische Luft und meistens mit künstlichen Licht. Im Flieger ist es dann noch schlimmer. Eng an eng mit vielen fremden Energien, die ich automatisch in mich aufnehme, ob ich will oder nicht. Sie sind da. Deshalb habe ich beschlossen, dass derart Reisen für mich keinen Sinn ergibt. Nach dem Urlaub fühle ich mich meistens schlecht oder bin krank und brauche dann Erholung, wenn es eigentlich wieder an die Arbeit gehen sollte. 

Bei meiner Arbeit als Angestellte in einem Büro ist es ähnlich. Immer der Herde hinterher und manchmal wie beim Viehtrieb. Ich kann mir meinen Arbeitsplatz nicht selber aussuchen und die Zeiten ebenfalls nicht. Noch schlimmer ist es, dass ich mir die Aufgaben nicht selbst suchen kann. Wenn mir dann innerhalb der Aufgabenbereiche auch noch Vorschriften gemacht werden oder ständige Kontrolle ausgeübt wird, ist es ganz um mich geschehen. Ich merke, wie sich mein Nacken immer mehr verspannt und fühle mich machtlos und eingeengt. Der Spaß bleibt auf der Strecke. 

 

Hier kann ich nun also wieder schlussfolgern, dass ich ein sehr freiheitsliebender Mensch bin und Selbstbestimmung für mich über allem steht.

 

Nun werde ich mal zu meiner Geschichte übergehen, meinem Curriculum Vitae. Ich bin gespannt, welche Resultate ich daraus auf mein eigenes ICH schließen kann. 

Ich gehöre zum 1969er Jahrgang. Bestimmt ein guter Jahrgang, denn in diesem Jahr war der erste Mensch auf dem Mond. Sollte ich mein Geburtsdatum nun per Horoskop oder Numerologie interpretieren lassen und mit diesen Ergebnissen auf mein ICH schließen? Ich muss gestehen, dass ich das alles schon hinter mir habe und teilweise viel Geld investierte. Weitergebracht hat es mich jedoch nicht. Das heißt doch...Moment mal. Diese Vorgehensweisen haben mir immer wieder kleine Puzzle-Stückchen geliefert und mir Mut gemacht. Denn hier kamen oft Charakterzüge heraus, die ich selbst längst vergraben hatte und schon nicht mehr daran glaubte. 

Meine Eltern sind sehr jung und ich habe noch einen älteren Bruder. Aufgewachsen bin ich wohlbehütet und glücklich. Zu unserer kleinen Familie gehörten schon immer Hunde, Pferde, Kaninchen, Wellensittiche und Heidschnucken.

Kindheit 

 

Schon von früher Kindheit an versuchte ich die Regeln der Erwachsenen zu brechen und missachtete so manche Verbote.

Wenn für mich etwas schlüssig war oder was auch immer mir gerade in den Sinn kam, zog ich es durch, ohne nachzudenken. Einige Male hinterließen diese Aktionen Knochenbrüche oder andere Unfälle. Aber rückblickend muss ich sagen, dass mich diese Alleingänge irgendwie auch geprägt haben. Für meine Eltern war das gewiss nicht leicht und ich handelte mir auch oft Ärger ein. Aber ich blieb mir treu und fühlte mich dabei sehr wohl. Wenn etwas verboten war, reizte es mich um so mehr, es zu tun. 

Bis ungefähr zur 9. Klasse war ich ein absoluter Streber. Ich versuchte, mit wenig Aufwand, stets mein Bestes. Allzu viel musste ich nicht dafür lernen. Dazu hatte ich auch gar keine Lust. Während der Pubertät passierten komplett andere Dinge. Ich schloss mich anderen Gruppen an und lernte meine Faulheit zu schätzen. Ich schwänzte die Schule, wann immer es ging und genoss meine morgendlichen Freiheiten. Natürlich hatte das zur Konsequenz, dass ich in der 11. Klasse sitzen blieb. Übertrieben hatte ich es wohl...trotzdem möchte ich diese Erfahrung nicht missen. Die neuen Freunde waren meinen Eltern ein Dorn im Auge, denn sie alle hatten eins gemeinsam. Sie waren faul und widmeten sich allen möglichen Dingen des Lebens, außer der Schule. Je schräger die Menschen waren und je mehr sie aus unserem üblichen System ausbrachen, desto interessanter fand ich sie. So kam ich auf viele neue Ideen, die allerdings alle nichts mit Schule zu tun hatten. 

Ich wiederholte die 11. Klasse auf einem anderen Gymnasium und schaffte dann auch mein Abitur. Lust zu lernen hatte ich jedoch immer noch nicht und ich wundere mich heute darüber, wie mir das überhaupt gelungen ist.

Nach dem Abitur wollte ich gern ein Jahr ins Ausland als Au Pair Mädchen. Mein Vater sorgte jedoch dafür, dass ich zunächst eine solide Ausbildung absolvierte und so wurde ich Industriekauffrau. Wahrscheinlich fürchteten sich meine Eltern vor meinem Freiheitsdrang und hatten Angst, dass ich auf die schiefe Bahn gerate. Nach der Lehre hatte ich die Möglichkeit in einem großen Industriekonzern zu arbeiten. Ich arbeitete mich sehr schnell hoch. Von der einfachen Sachbearbeiterin, zur Key Account Managerin und schließlich zur Marketingleiterin. Immer wieder wollte ich neue Aufgaben, weil ich mich sehr schnell langweilte. Immer wieder suchte ich neue Herausforderungen. Als meine Karriere auf dem Höhepunkt war, wurde ich, na was wohl...Schwanger.

Regeln

Ich war 29 Jahre jung, als mein Sohn das Licht der Welt erblickte. Ich war so stolz und machte 3 Jahre Pause vom Beruf. Danach stieg ich wieder halbtags im Account Management ein und langweilte mich. Das waren Arbeiten, die andere mir vorgaben. Ich wurde krank, nicht zum ersten Mal und wusste, dass sich etwas ändern musste.

 

Über Nacht entstand die Idee vom eigenen Hundehotel.

Hotel

Der Ehrgeiz packte mich und ich war mit Leib und Seele dabei. Ich war selbstständig. Wenn ich so richtig zurückblicke, gab es hier nichts zu bemängeln. Ich war frei und konnte meine Entscheidungen selber fällen. Ich konnte mich ausprobieren und hatte eine Menge Spaß dabei. 9 Jahre vergingen wie im Flug.

Nach 20 Jahren Ehe trennte ich mich von meinem Mann. Die Liebe war verflogen und wir hatten uns auseinandergelebt. Ich fühlte mich eingesperrt in Zwängen. Mein einziger Sinn schien darin zu bestehen, dass ich funktionierte und hübsch aussah. Mein innerer Widerstand gegen das geforderte Äußere begann schon sehr früh und ich aß oder besser gesagt fraß alles in mich hinein, was mir in die Hände fiel. Ich wurde, zum Ärger meines Mannes, immer runder. Je mehr er sagte, dass ihm das nicht gefällt, desto mehr aß ich. Heute habe ich erkannt, warum ich das getan habe. Ich wollte mich einfach nicht in ein Schema pressen lassen. Ein Schema, dass für mich nur rein äußerlich und sehr oberflächlich war. 

Das Hundehotel wurde mir irgendwann zu viel, zu viel körperliche Arbeit und zuviel, was ich allein bewältigen musste. Deshalb beschloss ich, dass es wohl das beste wäre, wenn ich in meinen erlernten Beruf zurückkehre. 

Ich hatte Glück und wurde in Hannover, in einem mittelständischen Industrieunternehmen, im International Sales eingestellt. Doch schon nach einem Vierteljahr machte sich wieder Unzufriedenheit breit. Ich war nicht mehr selbst bestimmt. Ich hatte ein festes Aufgabengebiet, in dem ich nie allein entscheiden durfte. Alles wurde doppelt und dreifach kontrolliert und bei vielen Aufgaben, fragte ich mich nach dem Sinn. 

Dieses war mein Lebenslauf in Kürze. Die Quintessenz liegt immer wieder in der Freiheit, dem Drang tun und lassen zu können, wonach mir gerade der Sinn steht. Regeln hinterfragen und auch mal brechen. Jedes Mal, wenn ich mich eingesperrt oder eingeschränkt fühlte, wurde ich krank. Systeme, die mir von Außen auferlegt werden, lassen mich krank werden.

Freiheit

 

Meine Zukunft wird also in der Freiheit liegen. 

Ich glaube, dass ich mich jetzt komplett von althergebrachten Überzeugungen lösen sollte. Vielleicht sollte ich einfach mal abwarten, was passiert. 

Das Schreiben macht mir sehr viel Spaß. Für eine Freundin habe ich in diesem Jahr ein Buch als Ghostwriter geschrieben und wir vermarkten es gerade. Für eine Online Zeitung schreibe ich seit Neuestem wöchentliche Kolumnen. Ich bin gespannt, wo mich die Reise hinführen wird. 

Mit was könnte ich nun weitermachen? Genetik? Eigenschaften, die ich von Geburt an habe? Wenn ich so recht darüber nachdenke, sind das genau die Charaktermerkmale, die immer wieder zum Vorschein kommen. Wenn mich andere in ein Schema drücken wollen, setzt sich immer wieder mein Freiheitsdrang durch. Ich nehme an, dass dieses Merkmal tatsächlich in mir ist und ich es auch nicht einfach so blockieren kann. Es sitzt tief in mir. In Menschenmassen fühle ich mich eingepfercht, ebenso wie im Büro oder in Regeln, die für mich keinen Sinn machen. Der Herdentrieb ist nichts für mich und mir ist egal, was die Masse macht, wenn ich es anders empfinde. In der Natur kann ich frei sein. Ich muss mich nicht an Straßen und Bürgersteige halten, sondern kann einfach kreuz und quer laufen. Natürlich mit sehr viel Rücksicht auf Flora und Fauna. 

Dann gehe ich jetzt mal zu den Erfahrungen und Umständen, die mich geprägt haben. So sehr ich als Kind und Jugendliche meine ganz eigene Rebellion gelebt habe, so sehr wurde ich dann doch im Laufe meines Lebens immer wieder gebremst. Angefangen in meiner Ausbildung und weiter in meiner Ehe. Ich war zu bestimmten Zeiten nicht mehr ich selbst und habe es gar nicht gemerkt. Ich versuchte immer mehr zu gefallen und alles recht zu machen. Das endete in einem unendlichen Ehrgeiz. Ich arbeitete und arbeitete und mir blieb gar keine Zeit mehr, über den Sinn oder Unsinn meines Schaffens nachzudenken. Immer wieder wurde ich krank. Doch meistens führte das nicht zur Einsicht, sondern einfach zum Weitermachen. Mein Ziel habe ich so aus den Augen verloren und weiß es bis heute noch nicht so genau.

 

Das einzige, was ich weiß, ist, dass ich mich nicht mehr anpassen möchte.

 

Zukunft

Ich will auf mich selbst hören, denn ich weiß, dass alles, was ich zum Leben brauche, tief in mir verankert ist und nur darauf wartet, wieder gefunden zu werden.

Ich wusste irgendwann, welche Rolle ich spielen musste, um in einer bestimmten Gesellschaft anerkannt zu werden. Dieses Schauspiel weckte ebenfalls meinen Ehrgeiz und ich merkte, dass ich es damit schaffe, bei fast allen Menschen anzukommen und nicht mehr anzuecken. Ich trieb dieses Schauspiel so weit, dass ich mich selbst nicht mehr im Spiegel anschauen mochte. Ich sah immer anders aus. Doch mir gefiel oft selbst nicht, was ich sah. Gelernt habe ich dabei, dass sich die Menschen sehr leicht täuschen lassen. Ich habe diese Rollen bestimmt sehr gut gespielt aber ich war selten ICH.

Heute erst, mit 47 Jahren habe ich entdeckt, dass ich noch viel besser bei den Menschen ankomme, wenn ich authentisch bin. Wenn ich mich ärgere, dann lasse ich es raus. Wenn ich mich fröhlich fühle, dann zeige ich das auch. Wenn ich helfen kann, dann helfe ich. Wenn ich keine Lust habe, dann lasse ich es einfach. Das gefällt mir sehr und ich gewinne ehrliche Freundschaften. Ich kann einfach so sein, wie ich bin und wie es mir gefällt. Eine wunderschöne Erfahrung und mein Weg in die Freiheit.

 

Doch es gibt auch immer noch viele Ängste.

Die Angst zu versagen und mich zu blamieren, lässt mich manchmal immer noch Entscheidungen treffen, bei denen ich nicht zu mir stehe. 

Angst

Ich weiß zum Beispiel, dass mein Weg nicht ohne Kündigung der jetzigen, vermeintlich sicheren Arbeitsstelle, funktioniert. Also werde ich kündigen. Doch was passiert danach? Ich bin mir noch nicht einmal genau im Klaren darüber, was ich genau machen werde? Das ist total verrückt. Das ist mir bewusst. Natürlich habe ich noch ein paar Rücklagen. Doch diese werden bestimmt auch ganz schnell aufgebraucht sein. Was dann? Irgendetwas sagt mir, dass es bestimmt weitergehen wird. Die Lösung wird sich zeigen. Zur Zeit schreibe ich gern. Wer weiß? Vielleicht lässt sich darauf etwas aufbauen? Mit Kolumnen werde ich bestimmt nicht reich - evtl. ein bisschen bekannter. Sollte ich Werbetexte schreiben? Sollte ich andere Leute unterstützen, ihre Homepages auf Vordermann zu bringen? Vielleicht kann ich auch die Memoiren anderer Leute zu Papier bringen oder Reden schreiben? Oder ganz anders könnte ich auch ein eigenes Buch schreiben. Ich weiß es im Moment wirklich nicht. Alles ist offen und wahrscheinlich werde ich meinen arbeitstechnischen Mittelpunkt nie finden, so lange ich wie verrückt danach suche.

 

Locker lassen und gelassen werden...ach das wäre schön. Wenn alles doch so einfach wäre. 

Ich

Hier darf ich also noch eine Menge lernen. Ich bin dabei auf meinem ganz eigenen Weg zu mir selbst. Es macht Spaß, mich selbst zu entdecken und ich werde immer wieder von mir selbst überrascht. Nie hätte ich zum Beispiel gedacht, dass ich diesen Text innerhalb von 2 Stunden niederschreibe. Toll...ich bin stolz. Ich weiß zwar nicht, ob es irgendjemanden interessieren wird aber ich habe, während ich das schreibe, wieder ein bisschen mehr über mich selbst kennen gelernt. 

Ich weiß nun, dass an dem Sprichwort: "wer wagt, gewinnt" etwas dran ist. Wenn ich mutig meinen ganz eigenen Weg gehe, so werde ich erfolgreich sein. Ich kann stolz auf mich selbst sein und mir auf die Schulter klopfen. Ist das nicht das größte Glück?

Nun ende ich mal meine Ausführungen. Ich habe einen Teil meines ICHs gefunden. Ein großer Teil wartet darauf, entdeckt zu werden. Ich bin gespannt und freue mich auf viele Abenteuer mit mir selbst.

Vielleicht setze ich diesen Text einmal fort und kann über vieles lachen, was mir jetzt noch Sorgen bereitet. 

 

ICH bin ganz einfach ICH und ich stehe dazu.

 

Schritt

Ich habe viele Fehler und ich bin nicht perfekt. Aber wer ist das schon? Ich will mich nicht verbiegen, um jemand anders zu sein. Mein Leben gefällt mir jetzt in diesem Moment ganz besonders. Was will ich mehr? 

Gegen den Strom zu schwimmen und seine ganz eigene Meinung zu vertreten, ist bestimmt nicht immer leicht. Aber wenn ich nur hinterherrenne, bringt mich das auch nicht weiter. Dann werde ich nie an der Spitze sein, sondern allenfalls Zweiter. Ich bin auf dem richtigen Weg. Ich weiß nicht, ob es ein Ziel gibt, außer vielleicht das Ziel, sich aufzumachen und zu beginnen. Zu beginnen, mit dem, was für mich im Moment am Sinnvollsten ist: Schreiben, schreiben, schreiben. Ich schreibe mir alles von der Seele und fühle mich sehr erleichtert. 

Jeder muss sein eigenes Ziel oder besser seinen eigenen Weg definieren, um zum Glück zu finden. Vielleicht helfen meine Fragestellungen am Anfang des Textes oder vielleicht sind ein paar meiner Ausführungen ein Ansporn. Ich hoffe es sehr und ich würde mich sehr freuen, wenn viele Menschen endlich loslegen und beginnen.

Es ist meistens nur ein kleiner Schritt, der Großes bewirken kann.

 

Marion Lindhof, 21.09.2016

Texte für privat